Anhänger

Dieser Anhänger erzählt die Geschichte der niederländischen KZ-Überlebenden Bertha Leegwater (geb. 16. September 1894), die ihn gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Außenlager des KZ Dachau anfertigte. Bertha Leegwater wurde im September 1944 aus dem niederländischen Konzentrationslager Herzogenbusch in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück verlegt und als politischer Häftling registriert. Einen Monat später wurde sie, gemeinsam mit mehr als 200 weiteren Nielderländerinnen, abermals deportiert – in das Konzentrationslager Dachau. Im „Außenkommando Agfa-Camerawerke“ leistete sie Zwangsarbeit. Etwa 500 Häftlinge, vor allem Niederländerinnen und Polinnen, waren gezwungen dort in 12-Stunden-Schichten Zeitzünder für Flak-Granaten zu montieren und Bauteile für die sogenannten V1- und V2-Raketen zu produzieren.
Der Standort des Außenkommandos und der Zeitraum lassen sich in der Bestickung des Anhängers ablesen: München 44/45. Auf der anderen Seite stickte Bertha Leegwater ihre Ravensbrücker Häftlingskennzeichnung ein – die Haftnummer 66602 sowie den mit einem N für „Niederländerin“ versehenen Häftlingswinkel. Das Material für den Anhänger beschaffte sie sich heimlich an ihrem Arbeitsplatz. Der Anhänger besteht im Inneren aus einer 4 cm großen Pappe. Vergleiche mit anderen überlieferten Objekten aus dem „Außenkommando Agfa-Camerawerke“ ergaben, dass es sich dabei um Verpackungszwischenlagen der gelieferten Uhrwerke handelt, die in den Zeitzündern der Flak-Granaten verbaut wurden. Woher Textil und Garn stammen, konnte bisher nicht zweifeslfrei geklärt werden.
Amerikanische Militäreinheiten befreiten Betha Leegwater am 29. April 1945. Vierzehn Jahre später gelangte der Anhänger als Schenkung in die Sammlung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Anhänger von Bertha Leegwater | 1945 | Pappe, Textil
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, V695 D5

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